«Psyche» – 2014 das Thema von LUCERNE FESTIVAL

«Psyche» lautet das Motto von LUCERNE FESTIVAL im Sommer – ein Thema, das in der Musik, der magischsten aller Künste, eine zentrale Rolle spielt. Seit alters her ist die Musik ein Mittel, um Menschen psychologisch zu lenken und zu beeinflussen. Schon in primitiven Kulturen diente der Rhythmus – das Aufstampfen, das Klatschen der Hände, das Trommeln – dazu, eine Gruppe in den gleichen Takt z u bringen, ihren Atem, ihren Herzschlag, ihre Bewegungen zu steuern. Später bildete Musik das Sti mulans, um sich in extreme Gemütszustände zu versetzen, seien es Meditationen, schamanische Rituale oder Freudentänze. Wenn Soldaten rekrutiert wurden, lockte man sie mit musikalischen Darbietung en; zum Spiel der Militärkapellen zogen sie im Marschschritt in den Krieg. Und wenn wir heute etwas erleben wollen, das uns aus dem Alltag reisst und in eine «bessre Welt» entführt (wie es in Schub erts «An die Musik» heisst) – dann gehen wir ins Konzert. Natürlich ist die Musik nicht Zauberei allein. Jede r Komponist muss sein Handwerk und die Regeln seiner Kunst erlernen. Jeder Musikwissenschaftler k ann eine Partitur sezieren, ihre Formbestandteile definieren und ihre Harmoniefolgen analysieren. Doch sagen weder die perfekt befolgten Regeln und noch die akribischste Analyse alles über die Musik aus, die unter ihrer offensichtlichen Oberfläche no ch von tieferen Botschaften kündet. Die Frage also ist : Was will die Musik? Wie wirkt sie auf uns? Warum kann sie uns glücklich machen oder traurig, uns auf peitschen oder übermütig stimmen? Und was verraten uns die Werke über ihre Schöpfer, welche Tiefenschichten ihrer Seele legen sie frei? Das Visual des Sommerfestivals auf den Plakaten, Broschüren, Programmheften und A nzeigen spielt in diesem Sinne mit dem Aspekt des Verborgenen und der geheimen Botschaft. Hinter der äusseren Fassade, dem offenkundigen Eindruck, verbirgt sich eine Innenseite, die erst die ganze Wahrheit unverstellt präsentiert: das Sein und nicht den Sch ein. Die Programme dieses Festspielsommers laden unsere Gäste zum Selbstversuch mit der Wirkungsmacht der Musik: Von Wagners Tristan und Isolde über Ravels Boléro , die Siebte Beethoven oder Chopins und Schumanns Seelenkunst reicht die P alette der Erfahrungsmöglichkeiten bis zu Uraufführungen neuer Werke von Unsuk Chin, Johannes Maria Staud und Heinz Holliger, die tief nach innen leuchten. Eine besondere Versuchsanordnung ab er unternehmen Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker, die Bachs Matthäus-Passion in einer «Ritualisierung» vorstellen: Der amerikanische Regisseur Peter Sellars hat es sich dabei zur Aufgabe gemacht, die «Affekte» der Bachschen Musik, ihren Gefühlsgehalt, nach aussen zu kehren und in s einer Inszenierung sichtbar werden zu lassen. Ergänzt wird das musikalische Programm mit der Vort ragsreihe «Seelenlandschaften aus musikalischer und theologischer Sicht» im Auditorium des KKL Luze rn. Und im NZZ Podium leitet NZZ-Feuilletonchef Dr. Martin Meyer eine Diskussionsrunde zum Phänomen «Psyche», zu Gast sind Autor Martin Mosebach, Autorin und Psychaterin Melitta Breznik und der Komponist und Dirigent Heinz Holliger.

 

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